Zweite Natura 2000-Station in Römhild eingeweiht

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat gestern in der Hutelandschaft bei Stressenhausen die zweite von 11 Thüringer Natura 2000-Stationen feierlich eingeweiht. Träger der Natura 2000-Station „Grabfeld“ ist der Landschaftspflegeverband „Thüringer Grabfeld“ e. V.: ein gemeinnütziger Verein mit Mitgliedern aus Naturschutz, Landwirtschaft und Politik, der sich seit mehr als zwanzig Jahren für den Erhalt der Kulturlandschaft im Thüringer Grabfeld einsetzt.

„Thüringen entwickelt mit seinen Natura 2000-Stationen wertvollen Lebensraum für unserer Naturschätze“, sagte die Ministerin. Die Natura 2000-Station „Grabfeld“ wird Teile der Landkreise Hildburghausen und Schmalkalden-Meiningen betreuen. Das betrifft 25 Natura 2000-Gebiete und punkthafte FFH-Objekte, darunter vier europäische Vogelschutzgebiete.

Die Station wird das Zusammenspiel von Naturschutzverwaltungen, Kommunen, Verbänden und Landnutzern bei der Umsetzung konkreter Naturschutzmaßnahmen unterstützen und stärken. Dazu zählt der Schutz von Uferrandstreifen, um den Eintrag von Pflanzennährstoffen, Pestiziden und Schlamm in kleinere Fließgewässer zu vermeiden. Von einer verbesserten Wasserqualität profitieren beispielsweise die Leitarten der Station: der Steinkrebs und die Bachmuschel. Aber nicht nur diesen europarechtlich geschützten Arten kommt der Schutz der Gewässer zu Gute. Auch der Mensch, der von Schlammlawinen bei Hochwasserereignissen immer wieder betroffen ist, profitiert vom Gewässerschutz. „Hier zeigt sich, dass Naturschutz und der Schutz der Menschen und seiner Güter vielfach miteinander verbunden sind“, so die Ministerin.

Die Natura 2000-Station „Grabfeld“ hat ihren Sitz in Römhild. Ihre Eröffnung fand in der nahegelegenen Hutelandschaft bei Stressenhausen, einem Modellprojekt der Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft, statt. In der dortigen Rodachaue wird seit 2009 durch die Beweidung mit Heckrindern und Konikpferden eine abwechslungsreiche, feuchte Offenlandschaft erhalten, die u. a. Zugvögeln als wichtiger Rastplatz dient.

Zur Eröffnung überreichte die Ministerin der Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes „Thüringer Grabfeld“ e. V., Frau Verena Volkmar, die Stationstafel der Natura 2000-Station. Das Thüringer Umweltministerium fördert die Arbeit der Natura 2000-Station im Grabfeld für die nächsten 4 Jahre mit insgesamt 356.000 Euro.

Hintergrund:

Im Freistaat entstehen insgesamt 11 Natura 2000-Stationen. Sie sollen die Lebensräume und Arten des europäischen Schutzgebietsnetzes in Thüringen sichern und entwickeln. Das TMUEN fördert die Ausstattung aller Stationen mit ca. 1 Mio. Euro pro Jahr.

Im Jahr 2016 wurden 6 Natura 2000-Stationen eingerichtet:

• Natura 2000-Station „Unstrut-Hainich/Eichsfeld“ in Hörselberg-Hainich

• Natura 2000-Station „Grabfeld“ in Römhild

• Natura 2000-Station „Rhön“ in Kaltensundheim

• Natura 2000-Station „Osterland“ in Grünberg

• Natura 2000-Station „Mittelthüringen/Hohe Schrecke“ in Vippachedelhausen

• Natura 2000-Station „Südharz/Kyffhäuser“ in Nordhausen

Weitere fünf sollen am 01.01.2017 folgen:

• Natura 2000-Station „Gotha-Ilmkreis“ in Gotha

• Natura 2000-Station „Thüringer Wald“ in Friedrichshöhe und Gumpelstadt

• Natura 2000-Station „Untere Saale“ in Jena

• Natura 2000-Station „Obere Saale“ in Pößneck

• Natura 2000-Station „Auen, Moore, Feuchtgebiete“ in Renthendorf

Thüringen verfügt über 212 FFH-Gebiete und 35 punkthafte FFH-Objekte sowie 44 EU-Vogelschutzgebiete. Diese Gebiete umfassen rund 270.000 Hektar, das entspricht rund 17 % der Landesfläche. In diesen Landschaften kommen seltene und teilweise vom Aussterben bedrohte Arten vor. Die konkreten Naturschutzmaßnahmen sind breit gefächert.