Das Naturschutzgroßprojekt „Thüringer Rhönhutungen“ wurde gestern ( 06.04.2016 ) in Dermbach als UN- Dekade-Projekt „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet. Die entsprechende Urkunde übergab Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund gemeinsam mit Frau Dr. Paulus vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit an den Landschaftspflegeverband Biosphärenreservat Thüringische Rhön.

„Thüringens Naturschätze zu pflegen, ist eine Mammutaufgabe. In der Rhön ist man mutig entscheidende Schritte gegangen. Damit werden einmalige Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere erhalten“, sagte Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund gestern in Dermbach.

Das Naturschutzgroßprojekt Thüringer Rhönhutungen beinhaltet das größte Hügelland-/ Mittelgebirgs-Magerrasengebiet Deutschlands mit sehr langen z.T. noch intakten Triftverbindungen und umfasst den größten Teil der Kalkmagerrasen der Vorderrhön. Es liegt in den Landkreisen Wartburgkreis und Schmalkalden-Meiningen. Die einzelnen Magerrasen im Nordostteil des Biosphärenreservates Rhön in der Östlichen Vorder- oder Kuppenrhön liegen dabei in einem sehr engen Biotopverbund und zeichnen sich durch bemerkenswerte Flächengrößen von ca. 50-300 Hektar aus (z.B. Hohe Geba-Südhang: > 300 Hektar).

Das Projekt umfasst ein Kerngebiet von 3.474 Hektar und besteht seit 2002. Die Förderung durch Bund und Land beträgt 90 % des Gesamtfinanzvolumens von insgesamt 6 Millionen Euro.
Ziel des Vorhabens ist der Schutz, der weitere Biotopverbund und die Pflege und Entwicklung der charakteristischen Biotoptypen der Vorderrhön. Dazu zählen insbesondere Trockenrasen, großflächige Basalt-, Röt- und Kalk-Magerrasen, Wacholderheiden, Steintriften, Kalkscherbenäcker und Kalk-Flachmoore. In kleineren Bereichen finden sich Buchen-, Kiefern- und Eibenwälder. In den acht Kerngebieten wurden in den letzten Jahren vorrangig Maßnahmen zur Erhaltung der auf Magerrasen typischen Pflanzen- und Tierarten durchgeführt. Dabei spielt die Schafbeweidung eine herausragende Rolle So wurden alle vorhandenen Schafherden gestärkt durch Ankauf von Tieren und Erleichterung der Bedingungen.

Der Freistaat hat sich dem Bund gegenüber verpflichtet, über die Förderlaufzeit des Projektes, die 2016 endet, hinaus die Kerngebiete durch das Kulturlandschaftsprogramm KULAP besonders zu unterstützen. „Thüringen trägt mit seinem hohen Anteil an Artenvielfalt eine hohe Verantwortung für ganz Deutschland. Mit den Natura-2000-Stationen, die alle europäischen Schutzgebiete im Freistaat betreuen sollen, bauen wir eine gute Basis für mehr Naturschutz in Thüringen“, so die Ministerin.

Hintergrund:

Die Auszeichnung zum UN-Dekade-Projekt findet im Rahmen der Aktivitäten zur UN-Dekade Biologische Vielfalt statt, die von den Vereinten Nationen für den Zeitraum von 2011 bis 2020 ausgerufen wurde. Ziel der internationalen Dekade ist es, den weltweiten Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Dazu strebt die deutsche UN-Dekade Biologische Vielfalt eine Förderung des gesellschaftlichen Bewusstseins in Deutschland an. Die deutsche UN-Dekade startete offiziell am 08.11.2011. Sie wird im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMUB) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) von der Geschäftsstelle der UN-Dekade umgesetzt. Die Auszeichnung nachahmenswerter Projekte soll dazu beitragen und die Menschen zum Mitmachen bewegen.

Bisher in Thüringen ausgezeichnete UN-Dekade Projekte sind u.a.:
„Fledermäuse selbst entdecken“ - Am 19.02.2016 wurde die Verwaltung des Naturparks Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale für die Entwicklung und den Einsatz des Angebotes „Fledermausrucksack“ gewürdigt. Ebenso wurde ausgezeichnet der „Lange Tag der Natur“ (Veranstalter NABU e. V, Stiftung Naturschutz Thüringen)